Mittwoch, 17. April 2024
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Pfingstrosen – die Juwelen des Frühsommers

Rote Pfingstrosen im Rosen- und Staudengarten im Treptower Park

Wenn Pfingsten naht, explodieren auch die Pfingstrosensträucher und -stauden mit ihren herrlichen großen buschigen Blüten und dem zarten betörenden Duft. Durch ihr Fülle und Üppigkeit sind sie die Boten des nahenden Sommers.

Zahlreiche Namen hat man dieser Wunderblume gegeben, unter anderem ist sie als Benediktinerrose, Kirchenrose oder Kirchenblume bekannt. Benediktinermönche brachten die Rose nach Mitteleuropa und pflanzten sie in die Nähe von Kirchen und anderen heiligen Stätten. Da ihre Blütezeit mit Pfingsten zusammentraf, wurde sie zudem religiös aufgeladen.

Pfingstrosen sind alte Kulturpflanzen

In China wurde ist die Päonie schon seit der Tang-Dynastie (607-907 n. Chr.) gezüchtet. 1909 wurde die Pfingstrose zur Nationalblume und hat sich bis heute kulturell als Symbol für Fruchtbarkeit und Frieden gehalten.
Bei den vielen positiven Eigenschaften wundert es nicht, dass die Chinesische Pfingstrose auch zum Symbol einer Jahreszeit, nämlich dem Frühling erkoren wurde. Sie ist auch die „Zierde des Kaiserreichs“ und steht für Reichtum und Noblesse. Der Buddhismus hat die Pfingstrose ebenfalls aufgegriffen. Sie wird dort in Zusammenhang mit Buddha gebracht, als Sinnbild für Empfindsamkeit und Herzensliebe.

Seit dem Mittelalter wurde auch die christliche Jungfrau Maria immer wieder mit einer Pfingstrose dargestellt. Sie ist als die „Rose ohne Dornen“, die für Reinheit und Unbeflecktheit steht.

Eine christliche Legende erzählt, das die Pfingstrose ein Symbol für die Auferstehung Jesu ist. Als Jesus durch Galiläa zog, traf er dort eine Frau namens Ruth oder Magdalena. Sie wollte seine Jüngerin werden, doch das war nicht möglich, da sie Familie hatte. Jesus zog weiter, und Jahre später besuchte sie ein Jünger und brachte ihr die Nachricht von Jesu Tod. Die Frau ging in ihren Rosengarten und weinte bitterlich. Als plötzlich eine wunderschöne Musik ertönte, fiel ihr Kummer ab und eine warme Freude breitete sich in ihrem Herzen aus. Ein paar Wochen später trafen Jünger ein und verkündeten die Auferstehung und Himmelfahrt Jesu im Dorf. Die Frau lief wieder in ihren Garten, wo sie zuvor die schönen Klänge gehört hatte. Dort erwartete sie eine Überraschung. Alle Rosen hatten sich in Pfingstrosen verwandelt, die Rosen ohne Dornen. Seitdem ist die Pfingstrose auch ein Symbol für die Auferstehung und Himmelfahrt Jesu Christus.

Schön und giftig

Ähnlich wie die klassische Rose erscheint die Pfingstrose in großer Farbvielfalt. Sie tritt auf in zahlreichen Rosa- bis Rottönen, bisweilen Fliederfarben, auch in Orangetönen, zartem Cremeweiß bis Weiss und manchmal sogar bis hin zu dunklem Schwarz.
Trotz der Namensgleichheit mit der klassischen Rose, ist die Pfingstrose nicht mit der klassischen Rose verwandt. Sie zählt zu den Hahnenfußgewächse, den sogenannten Ranunculaceae, und ist verwandt mit Adonisröschen, Trollblumen und Scheinanemonen. Alle Hahnenfußgewächse enthalten das Gift Protoaneminim, das für Tiere sehr gefährlich sein kann. Auf Hunde wirkt es extrem toxisch, bei Katzen führt es zu Erbrechen und Durchfall. Auch der Mensch kann bei Kontakt mit dem Pflanzensaft Hautreizungen wie Rötung, Juckreiz und Blasenbildung erleiden. Trinkt man den Saft, kommt es zu einer Vergiftung mit Zittern und Krämpfen.

Der botanische Name der prächtigen Blume heißt Päonia. In der Familie der Paeoniaceae sind 32 Arten bekannt. — Der Name Päonia geht auf eine mythologische Geschichte zurück. Pluto, der Gott der Unterwelt verletzte sich im Kampf mit Herakles an der Schulter. Er machte sich auf zum Olymp, um Asklepios, den Gott der Heilkunst um Hilfe zu bitten. Doch Asklepios war gerade nicht zu Hause. Deshalb wandte sich Pluto an seinen Schüler Paean. Dieser nahm eine Pflanze, die auf dem Berg Olymp wuchs und legte sie auf die Wundes Plutos. So heilte er den Gott der Unterwelt. Als Asklepios auf den Olymp zurückkehrte, erfuhr er, was geschah. — Voll Eifersucht tötete er seinen Schüler und ließ seine Gebeine einfach auf dem Berg liegen. Gott Zeus fand den Leichnam von Paean und hatte Mitleid. Er erweckt ihn zu neuem Leben, in Form der Blume, mit der er Pluto geheilt hatte.

Pfingstrose (Päonie) in voller Blüte
Pfingstrose (Päonie) in voller Blüte — Foto: Amina Mendez

Pfingstrose – auch eine Arzneipflanze

In der europäischen Volksmedizin wurden die Wurzeln der Pfingstrose seit jeher bei verschiedenen Krankheiten eingesetzt. Hauterkrankungen wurden durch die Wirkstoffe der Pflanze geheilt. Selbst bei Migräne und Nervenschmerzen konnte die Päonia Linderung verschaffen. Auch bei Gelenk- und Gliederschmerzen, sowie bei Gicht, Arthritis und Rheuma kam sie zum Einsatz. Im Altdeutschen hieß die Rose deshalb auch Gichtrose.

In China gilt die Chinesische Pfingstrose oder Edel-Pfingstrose (Paeonia lactiflora) schon seit 1200 Jahren bis heute als wichtige Arzneipflanze. Die getrockneten Wurzeln werden eingesetzt, um Entzündungen entgegenzuwirken und Schmerzen zu lindern. Meist wird sie in Kombination mit anderen Arzneipflanzen angewendet. Eigenschaften die der Pfingstrose zugeschrieben werden: ihre Extrakte wirken antibakteriell, gefäßverengend, blutdruckerhöhend, krampflösend, entzündungshemmend.
Die Inhaltsstoffe der Pflanze sind:

  • Anthocyane (Blüten)
  • Flavonoide (Blüten)
  • Gerbstoffe (Blüten)
  • Paeoniflorin (Wurzel)
  • Saccharose (Wurzel)
  • Gerbstoffe (Wurzel)
  • Harzsäuren (Samen)

Die Wirkungen der Inhaltsstoffe sind heute noch nicht vollständig erforscht. Die wissenschaftliche Sachverständigenkommission für pflanzliche Arzneimittel des ehemaligen Bundesgesundheitsamtes und des heutigen Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte in Deutschland kommt zu dem Entschluss, dass sie eine therapeutische Anwendung von Pfingstrosen nicht befürworten kann.
Trotz der genannten Erkenntnisse findet die Pfingstrose als Heilpflanze heute noch Anwendung: In der Traditionellen Chinesischen Medizin.

Pfingstrosem im Rosen und Staudengarten im Treptower Park
Pfingstrosem im Rosen und Staudengarten im Treptower Park — Foto: Amina Mendez

Wegen der Giftwirkung der Pfingstrose, die von Glykosiden und Alkaloiden hervorgerufen wird, rät man heute von den Anwendungen als Heilmittel ab.

Wo wachsen Pfingstrosen ?

Die Edelpäonie, Strauchpfingstrosen und Staudenpfingstrose und die Bauernpfingstrose sind mit ihren prachtvollen Blüten eine Zierde jedes Gartens. Von Mai bis Juni blühen die Pflanzen vor allem an sonnigen Standorte. Manche der schweren und großen Blüten erreichen mühelos einen Durchmesser von 12 cm.

Als Komposition und Gartenthema sind Pfingstrosen eine Augenweide für Besucher Botanischer Gärten und Themengärten in Parkanlagen. Eine besonders schöner Themengarten ist im Treptower Parkt zu finden.