Montag, 20. Mai 2024
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»Gaststätte zum Hauptmann von Cöpenick« schließt

Gaststätte "Zum Hauptmann von Cöpenick"

Die Gaststätte „Zum Hauptmann von Cöpenick“ in der Oberspreestr. 148 ist geschlossen. Der langjährige Betreiber Detlef Pischel wird die Räumlichkeiten am 18.Mai 2020 besenrein und einvernehmlich an die Hausverwaltung abgeben. Ein über dreißigjähriges gutes Mietverhältnis endet, nachdem es nicht gelungen war, einen Betriebsnachfolger für die bekannte Gaststätte mit traditioneller deutscher Küche zu finden.

Leserin Sophia schrieb dazu:
„Diese fantastische Gaststätte, »Gaststätte zum Hauptmann von Cöpenick«, Veranstaltungsraum und Treffpunkt, kulturelles Zentrum geht uns verloren. Ein kulturelles Zentrum in Berlin weniger. Ein Treffpunkt und kulturelles Zentrum für Menschen die weniger finanzielle Mittel zur Verfügung haben und an diesem Ort jeden Tag ein preiswertes und sehr gutes Essen einnehmen konnten!
Über Jahrzehnte hinweg, mit all den Veranstaltungen, Vorträgen, Vergnügungen, geht nun auch eine weitere Berliner Institution in Form einer »Berliner Eckkneipe« verloren.“

Touristische Attraktion und in Köpenick

Die Gaststätte „Zum Hauptmann von Cöpenick“ nahe der Altstadt von Köpenick wird fortan als Attraktion und Anziehungspunkt fehlen.

Im Mai 1990 wurde die Gaststätte durch Detlef Pischel privatisiert, der bereits seit Mitte 1985 die Geschicke des Objektes als Gastwirt der HO-Gaststätte „Zur Tankstelle“ leitete. Diese Gastwirtschaft firmierte weiterhin unter dem über 40 Jahre eingebürgerten Namen, den jedoch die meisten Stammgäste und Anwohnende Köpenicker nur liebevoll als ihren „Tanker“ bezeichneten.

Am 03. Januar 2012, dem 80. Todestag des Wilhelm Voigt, erfolgte eine zeitgemäße Umbenennung in Gaststätte „Zum Hauptmann von Cöpenick“, weil die gastronomische Einrichtung am Anfang der Köllnischen Vorstadt das „Eingangstor“ zur Köpenicker Altstadt bildet. Interessierte Touristen fanden hier ein abwechslungsreiches Angebot an  regionalen deutschen Speisen. Und auch über Wilhelm Voigt und seine Zeit wurde informiert, weshalb sein berühmter Husarenstreich überhaupt gelingen konnte.

Detlef Pischel bewies viel Geschick, denn ihm gelang eine neue Balance zwischen Touristen-Attraktion, populärer Gaststätte und Berliner Kneipenkultur, in der viele Vereine und Interessengruppen ein „Zuhause“ fanden. Vom Heimatverein, über Baugewerkschaft bis zu Parteien und Skatvereinen reichte die Palette.
Viele Köpenickerinnen und Köpenicker werden sich wehmütig erinnern.

Baubedingte einvernehmliche Schließung

Detlef Pischel hat nicht einfach aufgegeben, sondern nach einer Nachfolgelösung gesucht. Er selbst hat das verdiente Rentenalter erreicht. Doch die Tücken liegen im Objekt selbst: Pischel hatte mit der Übernahme der HO-Gaststätte Bestandsschutz.
Ein neuer Betreiber müsste Barrierefreiheit herstellen, und die Toiletten im Obergeschoß umverlegen. Räumlich und finanziell hätte das ein Nachfolger kaum schultern können.
So einigte man sich auf eine einvernehmliche Schließung.
Die Hausverwaltung wird hier nun einen Concierge-Service und eigene Büroräume einrichten.

Deutsche Küche und acht Speisekarten

Die Gaststätte „Zum Hauptmann von Cöpenick“ hatte eine Besonderheit, die sich viele Berliner Gastronomen heute wünschen: eine Speisekarte mit traditioneller deutscher Küche. Und acht Speisekarten in acht Sprachen. Neben Englisch sind darunter auch Russisch, Chinesisch, Polnisch und andere Fremdsprachen. Dies hat sich auch in Berliner Hotels herum gesprochen, die ihre Gäste zum Ausflug nach Köpenick motiviert haben.

Mit der Schließung geht nun der Altstadt Köpenick eine wichtige Attraktion verloren. Nicht nur die Deutsche Küche, sondern auch die Infrastruktur der Sanitäranlagen wird künftig im Bezirkstourismus fehlen. Das Berliner Tourismuskonzept 2018+ hat einen Riesenverlust in Köpenick zu beklagen!

Detlef Pischel ist mit sich im Reinen, er hat gute Zeiten organisiert, und hat nun Inventar und Erinnerungsstücke aus der Gaststätte an seine „Vereine“ vermacht. Er hilft auch dabei neue Versammlungsorte zu finden, die nun notgedrungen in Vereinsheime von Kleingartenanlagen ausweichen müssen. Außerdem hat er viele Tips parat, was Gastronomen und Tourismuswirtschaft noch verbessern können.