Heute wird hier ein Rückblick in die Industriegeschichte präsentiert. Auf dem YouTube-Kanal „Alte Industrie“ wird die Geschichte der größten Brauerei in Schöneweide ausgerollt.
„Im Herzen von Berlin-Schöneweide stand einst ein industrieller Palast—die Bärenquell Brauerei, ein massives, wunderschönes rotes Backsteinensemble wo eines der berühmtesten Biere Ostdeutschlands gebraut wurde, ein Bier das während des Kalten Krieges in jedem DDR-Haushalt stand, das Ost-Berliner Identität und Stolz bedeutete. Bärenquell war nicht nur eine Brauerei; es war ein Symbol der DDR-Industrie, ein Ort wo Generationen von Braumeistern nach traditionellen Rezepten arbeiteten, wo das charakteristische Bärenquell-Logo auf Millionen von Flaschen prangte und wo die Brauerei-Architektur selbst—mit ihren hohen Backsteinmauern und Türmen—ein Denkmal für industrielle Schönheit war. Doch nach dem Fall der Berliner Mauer 1989 kam die Zerstörung. Westdeutsche Brauereien überfluteten den Markt mit ihren Marken, und Bärenquell wurde gekauft—aber nicht um es zu retten, sondern um die Konkurrenz zu eliminieren. Die neuen Besitzer ruinierten oder ignorierten die traditionellen Rezepte, die das Bier besonders gemacht hatten. 1994 wurde die Brauerei brutal geschlossen, die Arbeiter entlassen, die Produktion beendet. Was Jahrzehnte des Kalten Krieges überlebt hatte, überlebte die deutsche Wiedervereinigung nicht—das war wirtschaftliche Kolonialisierung getarnt als freier Markt. Für 25 Jahre wurde die verlassene Bärenquell-Brauerei zu einem der berühmtesten, spektakulärsten und unheimlichsten „Urbex“-Orte (Lost Places) in ganz Europa—ein gespenstisches Denkmal mit bröckelnden Backsteinmauern, verrosteten Braukesseln und überwucherten Höfen, fotografiert von tausenden Abenteurern. Erst kürzlich begann die Sanierung und Umnutzung. Dies ist die Geschichte, wie Berlins größte Ost-Brauerei durch die Wiedervereinigung zerstört wurde, wie westdeutsche Brauereien DDR-Traditionen auslöschten um Marktanteile zu erobern—und was diese 25 Jahre als Ruine über den Preis der Einheit aussagen, bezahlt von Ost-Berliner Arbeitern und Traditionen.“
YouTube-Video „Die fatale Entscheidung, die Berlins größte Brauerei zerstörte: Bärenquell“
Treuhandanstalt – und die Schuldfragen
Die Idee für die Gründung der Treuhandanstalt stammte von der Gruppe „Demokratie Jetzt“, die am 12. Februar 1990 eine Vorlage für die Sitzung des Runden Tisches vorlegte, mit dem „Vorschlag zur umgehenden Bildung einer ‚Treuhandgesellschaft‘ (Holding) zur Wahrung der Anteilsrechte der Bürger mit DDR-Staatsbürgerschaft am Volkseigentum der DDR.“
Am 1. März 1990 beschloss der Ministerrat der DDR, die sogenannte (Modrow-Regierung, die Gründung der „Anstalt zur treuhänderischen Verwaltung des Volkseigentums“. Sie sollte das Volkseigentum wahren und im Interesse der Allgemeinheit verwalten.
Die Haupttätigkeit dieser ersten „Treuhand“ bestand in der Entflechtung von Kombinaten und in der der Umwandlung der Nachfolgeunternehmen in Kapitalgesellschaften.
Die Arbeit der Treuhandanstalt über die Wiedervereinigung hinaus basierte auf dem noch von der Volkskammer der DDR am 17. Juni 1990 beschlossenen Gesetz zur Privatisierung und Reorganisation des volkseigenen Vermögens (Treuhandgesetz) in Verbindung mit dem Einigungsvertrag und dem Staatsvertrag vom 18. Mai 1990.
Am 1. Juli 1990 waren der Treuhand etwa 8500 Betriebe unterstellt, in denen mehr als vier Millionen Menschen arbeiteten. Mit der Wiedervereinigung wurde sie eine bundesunmittelbare „Anstalt des öffentlichen Rechts“ unter der Fachaufsicht des Bundesfinanzministeriums.
Zum 1.Juli 1990 wurden für alle Betriebe Eröffnungsbilanzen nach den Regeln des GmbH-Gesetzes erstellt. Die Bewertungen vor dem Stichtag bauten noch auf den Handelsbeziehungen mit dem Comecon und alten DDR-Preissystem und der DDR-Mark auf.
Nach dem Stichtag bauten alle Bewertungen auf der D-Mark auf, und der Comecon-Markt war verloren.
Viele Betriebe verloren dabei ihren Wert, der noch vor dem Stichtag abgeschätzt wurde.
Die Rechtskonstruktion der Treuhandanstalt als bundesunmittelbaren „Anstalt des öffentlichen Rechts“ bewahrte vor „Großpleite“ — das Bundesfinanzministerum war nun in der Pflicht zur Nachfinanzierung für die insgesamt 8500 Gesellschaften mit etwa vier Millionen Beschäftigten in rund 45.000 Betriebsstätten. Das Gesamtportfolio belief sich später nach Betriebsaufteilungen auf 14.600 Gesellschaften.
Die erst im Jahr 1992 fertiggestellte Eröffnungsbilanz der Treuhandanstalt zum 1. Juli 1990 prognostizierte ein Defizit von 210 Milliarden DM ( zitiert nach Wikipedia. )
Die schnelle Einführung der D-Mark und die Stichtags-Bilanzierung sind die unumgänglichen Ursachen für die Strukturbrüche und Arbeitslosigkeit bei den tausenden Privatisierungen.
